Medienberichte

50plus Magazin
April 2014
Aeschbacher TV
Februar 2014
Blickpunkt
Juli 2014
TagesAnzeiger
2014

„Jungunternehmer im Pensionsalter“

Der bald 75 Jahre alte Andrés Rodrigo und der 70-jährige Willy Gabrielli haben ein Geschäft für Herrenmode eröffnet.

Willy Gabrielli ist der geborene Unternehmer: willensstark, innovativ, überzeugend. 1976 hat der gebürtige Stadtzürcher einen Vertrag mit dem Herrenkleiderhersteller Canali abgeschlossen; er war der erste ausländische Agent der italienischen Firma. Gabrielli war überzeugt von der Qualität der Canali-Anzüge. Aber er glaubte nicht daran, dass sich die engen italienischen Schnitte in seinem Markt durchsetzen würden. «Ein Schweizer will sich bewegen können», sagte er den Gebrüdern Canali. Worauf diese die Schnitte für den Export anpassten. Mit Erfolg: Die Anzüge verkauften sich hervorragend. Gabrielli, der die Kleider als Zwischenhändler an Geschäfte in der Schweiz verkaufte, eröffnete 1982 einen Showroom am Stampfenbachplatz. Dort präsentierte er Kleider und Accessoires verschiedener italienischer Hersteller.

Vertrag nach 35 Jahren aufgelöst

Ab 1985 stellte Gabrielli nur noch Kleider von Canali aus. Die Firma hatte ihr Sortiment stark ausgebaut und dem Zürcher einen Exklusivvertrag vorgelegt. Das Geschäft lief jahrelang sehr gut, 2004 nahm Gabriellis Sohn Riccardo die Mitarbeit im Betrieb auf. Vier Jahre später wünschte die Firma Canali, dass der Showroom nach ihren Plänen umgebaut wird. Die Gabriellis willigten ein. 70 Prozent mussten sie selbst bezahlen.

Drei Jahre später kam das bittere Ende. Paulo Canali und sein Verkaufsdirektor teilten Willy und Riccardo Gabrielli mit, dass alle europäischen Kunden in Zukunft im neuen Showroom in Mailand bedient würden. Der seit 35 Jahren bestehende Agenturvertrag wurde aufgelöst. «Das war ein harter Schlag», sagt Willy Gabrielli. Sein Sohn musste in einer anderen Branche Fuss fassen, er selbst stand vor einer ungewissen Zukunft. Willy Gabrielli war 68 Jahre alt.

Andrés Rodrigo war damals 73. Seine letzten beiden Stellen hatte der dreifache Vater bei Hangartner Herrenmode und in der Boutique von Ermenegildo Zegna. Höhepunkt seines Schaffens war, als er einen Anzug für Fussballer Lionel Messi anfertigen konnte, der wegen des Ballon d’Or in Zürich weilte. Seine früheren Arbeitgeber loben Rodrigo. «Er übt seinen Beruf mit viel Herz und Herzblut aus», sagt Daniel Hangartner. Und Antonio D’Amico von der Zegna-Boutique spricht von einem «sympathischen und kompetenten Schneider, Verkäufer und guten Freund». Rodrigo komme noch heute oft zu Besuch.

Mit einem Besuch startete auch sein Schritt in die Selbstständigkeit. Rodrigo traf seinen langjährigen Bekannten Willy Gabrielli kurz nach der Vertragsauflösung in dessen Showroom. Innert Kürze einigten sich die beiden, in dem Raum einen eigenen Laden zu eröffnen.

Guter Service, faire Preise

Heute steht über dem Eingang an der Walchestrasse 20b in grossen Buchstaben «Rodrigo & Gabrielli Tailor Store». Im Geschäft warten die bald 75 und 70 Jahre alten Inhaber auf Kundschaft. «Wir sind wie Kinder», sagt Rodrigo. «Glücklich darüber, dass wir tun können, was uns Freude macht.» Er und sein Geschäftspartner hatten noch Zeiten erlebt, als die Leute bis auf die Bahnhofstrasse hinaus anstanden, um sich einen Anzug zu kaufen. Heute ist das Kleidungsstück nicht mehr ganz so gefragt, aber in vielen Branchen und bei vielen Anlässen nicht wegzudenken. Die Firmeninhaber setzen auf gute Marken – Canali ist neben Scuderi immer noch Hauptlieferant –, auf persönliche Beratung, auf guten Service mit eigener Schneiderei und auf faire Preise.